Find Face Icon

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Dass Datenschutz und Apps nicht so recht zusammenpassen, erleben wir jeden Tag. Gerade amerikanische Internet-Großkonzerne und chinesische App-Entwickler zeigen über die erwarteten Erlaubnisse für Zugriffe auf Datenbestände und Funktionen unserer Telefone und Tablets (Kontaktlisten, Verbindungsdaten, Positionsdaten, Fotos, Kamera, Mikrophon etc.), dass sie möglichst viele Daten von uns sammeln und speichern möchten. Auf Android-Systemen sieht man sehr deutlich, auf welche unserer Daten die App-Herausgeber zugreifen möchten. Was mit den gesammelten Daten passiert, weiß kaum ein Anwender.

Nun kommt aus Russland eine App, die noch gefährlicher ist. Mit Find Face für iOS und Find Face für Android von der Trinity Digital OOO kann man Personen auf der Straße fotografieren und erhält mit immerhin schon siebzigprozentiger Wahrscheinlichkeit deren Namen und ihr Profil auf sozialen Netzwerken.

Bislang funktioniert die App aus Russland nur mit dem russischen facebook-Wettbewerber VKontakte (Vk.com). Und zur Nutzung muss man selbst auch bei VKontakte angemeldet sein. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch mit facebook und anderen sozialen Netzwerken funktionieren wird.

Auch wenn die Herausgeber der App, Alexander Kabakov und Artem Kukharenko, die Idee noch als Innovation für das Dating verkaufen, sind die möglichen Anwendungen weit vielfältiger.

In den letzten zwei Monaten seit Veröffentlichung der App hat Find Face in Russland schon 500.000 Downloads erreicht und die Nutzer haben drei Millionen Suchen  über die App durchgeführt.

In Russland beginnt mit Find Face eine Entwicklung, die uns noch Probleme bereiten wird. Bislang ist die App nur in russischer Sprache und mit einem Account bei VKontakte nutzbar.

In Russland beginnt mit Find Face eine Entwicklung, die uns noch Probleme bereiten wird. Bislang ist die App nur in russischer Sprache und mit einem Account bei VKontakte nutzbar.

Die Besonderheit der App liegt im Suchalgorhythmus, der eine Milliarde Bilder in weniger als einer Sekunde durchsuchen kann. Dazu sind aktuell noch vier Server ausreichend. Die App wirft dann die wahrscheinlichste Übereinstimmung und bis zu zehn sehr ähnliche Gesichter und Profile aus.

Kabakov sagte in einem Interview mit der englischen Zeitung The Guardian, dass die App den Dating-Markt revolutionieren könnte. Wenn man jemanden Interessantes auf der Straße sehe, könne man mit der App den Namen und das Profil auf VKontakte herausfinden und eine Freundschaftsanfrage senden. Man könne damit auch Personen finden, die einem Filmstar ähneln oder vielleicht der Ex-Freundin oder dem Ex-Freund.

Allerdings bestehen durch eine solche Anwendung auch erhebliche Gefahren: So wurden bereits russische Porno-Darstellerinnen über die App namentlich identifiziert und dann verfolgt. Ein russischer Fotograf nutzte die App, um wahllos Fahrgäste in der Moskauer Metro zu fotografieren und zu identifizieren.

Die Anonymität in der Öffentlichkeit ist in Gefahr, wenn jeder zu jeder Zeit jeden fotografieren kann und dadurch den realen Namen und das Profil in sozialen Netzwerken herausfinden kann. Mit dem realen Namen findet man in der Regel auch die Anschrift und Telefonnummer – somit kann der Fotograf (selbst vielleicht sogar anonym bleibend) Kontakt aufnehmen oder plötzlich vor der Tür stehen.

Die Technologie funktioniert grundsätzlich mit allen Foto-Datenbanken. Zur Zeit geht es noch nicht mit facebook, da facebook die Fotos so speichert, dass sie schwerer abgerufen werden können.

Dennoch ist die App eine Art Schaufenster für die Möglichkeiten, die die Gesichtserkennung bieten kann. Heute kann der Nutzer mit der App bis zu 30mal pro Monat gratis eine Suche durchführen, richtig interessant wird es aber, wenn Behörden, wie die Polizei und Handelsunternehmen die Software für sich entdecken.  So habe die Polizei in einigen Regionen Russlands über die App bereits Altfälle lösen können, in denen seit Jahren keine Bewegung war.

Man sei in Verhandlungen mit der Stadt Moskau, die 150.000 Überwachungskameras betreibe, um bei Verbrechen das Filmmaterial der Kameras in das System einzuspeisen und dann mit Fotos von Gesuchten, Verbrecherfotos und sozialen Netzwerken zu vergleichen.

Es braucht nicht viel, um sich auch weniger freundliche Verwendungsarten vorzustellen: So könnten autoritäre Regime Teilnehmer an Demonstrationen leichter identifizieren. Bislang gebe es noch keine Kontakte zum russischen Geheimdienst FSB, aber man würde dessen Angebote sehr genau anhören, wenn der FSB tatsächlich mit den Entwicklern in Kontakt treten sollte.

Eine andere Anwendung haben die App-Herausgeber schon in Planung: Man könne Kameras an Verkaufsregalen anbringen und wenn ein Kunde auf ein bestimmtes Produkt schaue, könne man ihm gezielt in den nächsten Tagen Werbung und Informationen zu diesem Produkt senden.

Natürlich verstößt eine solche Anwendung gegen das Selbstbestimmungsrecht und den Datenschutz – das Problem wird nur sein, dass die Verbreitung der App (sofern sie auch ins Deutsche oder Englische übersetzt wird) schneller geschieht, als die Behörden reagieren können. Dann wird irgendwann die Nutzung untersagt, aber wer kann schon sagen, ob es ein normales Foto ist, was da aufgenommen wird, oder ob dahinter eine Gesichtserkennungssoftware arbeitet, die nahezu jeden Passanten identifizieren kann.

Die Gründer von Find Face sehen es pragmatisch: In der Welt von heute sind wir bereits von Gadgets umgeben. Unsere Telefone, Kühlschränke, Fernseher, alles um uns rum sendet reale Daten von uns. Wir haben Bewegungsprofile, unsere Interessen sind Internetkonzernen bekannt und noch mehr. Jede Person solle verstehen, dass sie in der modernen Welt im Fokus der Technologie stehe und damit müsse man einfach leben…

Markus Burgdorf

 

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